Donnerstag, 3. April 2014

Versuche (erster Teil einer Kurzgeschichte)

Nach und nach werde ich hier einige Kurzgeschichten jeweils in mehreren Folgen veröffentlichen.
Versuche (erster Teil einer Kurzgeschichte)
Sören Grosmann saß im ICE nach Berlin, wo er am Abend eine seiner drei Sendungen moderierte. Nach dem Abitur hatte er dies und das gemacht: Hatte Schmuck aus Indien importiert, war als Jongleur auf Jahrmärkten aufgetreten, als Kurier durch Wien geradelt und so weiter.

Sein Medizinstudium brach er ab, wechselte zur Juristerei und promovierte schließlich zum Dr. jur. Seinen Spitznamen „Inquisitor“ verdankte er seinem Erfolg beim Fernsehen.
Der Zug würde gegen acht Uhr in Berlin ankommen, bis zum Auftritt in seiner Talkshow Widerworte hatte er noch genügend Zeit zur Vorbereitung, die er ohnehin kaum mehr nötig hatte. Sein Witz und seine rhetorische Wendigkeit ließen ihn niemals im Stich. Zudem war seine Art der Gesprächsunterbrechung so einmalig, dass er sich nicht fürchten musste, wenn eine seiner Shows nicht das Ziel erreichte, den Gast zuerst ins Schwitzen und dann auf die Trage zu bringen, weil sein Herz zu schwach war für Grosmanns Widerworte. Die Tröpfe, die zu ihm kamen, taten ihm leid, weil sie sich einer Rosskur unterzogen, der sich freiwillig nur Leute aussetzten, denen es an klarem Verstande fehlte.

Niemals waren seine Erinnerungen schärfer als auf den Bahnfahrten nach Berlin. Häufig erinnerte er sich an seine Studentenbude in Hamburg, die Möwenschatten über dem Dachfenster und an Sarah, die ihre Ohrringe suchte und sich gerade aufmachte, zunächst den deutschen und dann den internationalen Film zu erobern. Ich kam mit einer Rose und du unterstelltest mir Eros, dachte er. Sarah auf ihrem verfluchten Weg zur Seifenblase Ruhm.

Sören Grosmann blickte in den Toilettenspiegel und lächelte. Seine langen Zähne glänzten, seit er zwei unterschiedliche elektrische Zahnbürsten benutzte. Wenngleich erfolgreich wie nie zuvor, schien sein Leben zu zerbröseln. Mit dem nassen Zeigefinger strich er die schwarzen Augenbrauen glatt. Das Wundbrennen in seinen Nasenlöchern trieb er am sichersten mit Beelzebub aus. Wenn die glitzernden Wellen der Droge anschlugen, in seine Gedanken drangen und mit ihrem Funkeln die banalsten Kinkerlitzchen in himmlische Wunder verwandelten, dann notierte Sören Grosmann mit äußerster Sorgfalt sämtliche Schritte, die er machen wollte, um Sarah aufzuspüren. Solange seine Nerven vor Glück vibrierten, erschienen ihm seine Notizen logisch und bedeutsam. Am nächsten Morgen jedoch, wenn sein Kopf durch den Nebel brach, schaute er mit teilnahmslosem Abscheu auf sein Gekrakel.

Seit Kurzem schmiedete er mit dem gleichen Eifer Pläne für seinen Tod. Er zeichnete einen Graphen, in dem er das Auf und Ab seiner Furcht vor dem Nichts festhielt und schließlich, um die Dinge zu vereinfachen, legte er ein endgültiges Datum fest — die Nacht zwischen dem 10. und 11. November. Sein Interesse war nicht in erster Linie vom Gedanken an den Tod und seinen Veränderungen bestimmt, sondern am Ausarbeiten der vorangehenden Einzelheiten, worin er sich so sehr verlor, dass er darüber die Abberufung selbst vergaß. Aber sobald er nüchtern wurde, verblasste das romantische Bild von dieser oder jener überspannten Methode der Selbstabschaffung. Als Kern blieb nur der Gedanke: Mein Leben verpufft so lala ins Nichts und es fortzusetzen, ist völlig hirnrissig.

Taten ohne Täter

Theo Kremer unterrichtet Englisch an einer Schule, an der erwachsene Schüler ihr Abitur nachholen. Theo gehört zum üblichen Zoo von Lehrern und ist gesegnet mit einem robusten Ego. Doch dann widerfahren ihm Dinge, die er nicht erklären kann.

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