Freitag, 11. April 2014

Nützliche Viren (zweiter Teil)

(zweiter Teil einer kurzen Geschichte)
Viele ihrer Kollegen sind bestürzt darüber, wie Maria von Mark behandelt wird, aber was sollen sie machen? Der Junior will Innovationen und keiner ihrer Kollegen möchte riskieren, Maria zu folgen auf ihrem Weg in die Arbeitslosigkeit. Das Grollen hört nur, wer es hören will und das Geflüster kann ohnehin nur von übersensiblen Ohren vernommen werden. Sicher, immer wieder schauen Mitarbeiter oben bei Maria vorbei mit einer Tasse Instantkaffee, Milch und einem Stückchen Zucker. „Ich dachte, vielleicht hätten Sie Lust drauf.“ Das war aber auch schon alles.
Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Maria alles versucht. In der kurzen Zeit, die ihr bleibt, besucht sie nicht nur einen, sondern drei Computerkurse. Ihr Lehrer meint sogar, sie habe eine natürliche Begabung im Umgang mit Bits und Bytes. Und für den jungen Mann, den Mark angeheuert hat, um das neue Computersystem einzurichten, macht sie sich geradezu unersetzlich. Selbst die Mittagspause verbringt Maria mit dem jungen Kerl, ja, akzeptiert sogar seine Einladung und trinkt das neumodische Kaffeezeug, ganz Schaum kaum Kaffee. Sie gibt sich alle Mühe und lernt so viel sie nur kann, bevor er mit der Installation zu Ende ist. Dann — einen Monat vor dem Ablauf der Kündigungsfrist — wagt sie sich in Marks Büro, um ihn zu fragen, ob er die Kündigung noch einmal überdenken würde. Mark hat die alten Ordner ins Archiv bringen lassen, 50 Jahre Firmengeschichte. Alles Aktuelle und Wichtige ist jetzt auf einer Festplatte gespeichert.
„Nein, meine Liebe, schauen Sie, wir müssen mit der Zeit gehen. Ich weiß, was ich will. Okay?“ Niemand nennt Maria Balzer „meine Liebe“.
Auf ihrer Abschiedsfeier spricht Maria Balzer ein paar höfliche Worte. Sie ist dankbar. Silvia aus der Kantine weint. Friedhelm, der vier Jahre länger als Maria in der Firma ist, schüttelt seinen Kopf. Angela, die hübsche neue Sekretärin, die Maria für Mark abgerichtet hat, bricht in Gelächter aus und klatscht begeistert, an der Stelle, wo Maria den alten Chef halbtot über dem Schreitisch liegend findet. Mark kann nicht dabei sein, Familienverpflichtungen. Es gibt Kartoffelsalat und Würstchen aus der Kantine und eine Flasche Champagner von den Kolleginnen. Friedhelm überreicht ihr einen Kosmetikkoffer aus echtem Leder. Maria hat immer davon gesprochen, wenn sie die Firma verlasse, werde sie sich wirkliche Ferien gönnen, irgendwas Exotisches. Friedhelm spricht für alle, wenn er ihr einen wohlverdienten Ruhestand wünscht und ihr Fehlen sozusagen schon jetzt gespürt werde. Angela verpasst mal wieder eine Chance ihren Mund zu halten, als sie bemerkt, sie könne nicht sehen, welchen Nutzen der Kosmetikkoffer Maria bringen könne.
Am Montagmorgen gehen alle zur Arbeit außer Maria. Sie quält sich nicht um sechs Uhr fünfundvierzig aus dem Bett, sie macht kein Teewasser heiß, während sie den Nachrichten lauscht, sie duscht nicht zum Morgenmagazin und verlässt das Haus nicht kurz vor dem „Motto zum Tage“. Sie rennt auch nicht zur Bushaltestelle in vernünftigen Pumps und elegantem, aber nicht zu auffälligem Frühjahrsmantel, die Handtasche fest an die Hüfte gedrückt.
Bei der Firma Schuffel gibt es heute Morgen niemanden, der Sarah an der Rezeption ein Lächeln schenkt. Und niemand sorgt dafür, dass Kaffee fertig ist, wenn Mark in die Firma kommt oder dass die Post für ihn bereitliegt, geordnet vom Dringenden und Drängenden bis zum Unwichtigen. Die Junkpost bereits im Papierkorb.
Ja, als Angela ankommt, 20 Minuten zu spät mit schmutzigen Absätzen, zieht sie als erstes ihre Lippen nach und ihren Rock einen Handbreit höher. Die Busfahrt ist Gift für ihre natürliche Schönheit. So ist es kein wirkliches Wunder, dass es schon halb zehn ist, bevor jemand bemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Mark kommt gerade die Stufen zu seinem Büro hinauf, als Angela ihren Computer anwirft. Er begrüßt Angela und fragt etwas, das sie nicht mitbekommt, denn sie ist abgelenkt: Der Monitor bleibt blank.
Taten ohne Täter
Theo Kremer unterrichtet Englisch an einer Schule, an der erwachsene Schüler ihr Abitur nachholen. Theo gehört zum üblichen Zoo von Lehrern und ist gesegnet mit einem robusten Ego. Doch dann widerfahren ihm Dinge, die er nicht erklären kann.
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