Dienstag, 1. April 2014

Neugier ist der Katze Tod (Teil 2 von 2/2)



Sie bedauerte ihre Worte, als sie in sein ernstes Gesicht blickte, wünschte sich, sie zurücknehmen zu können. Sie wollte sich entschuldigen, dass sie sich eingemischt, sein ruhiges Lesen unterbrochen habe, weil sie fürchtete, einen weiteren Kunden verloren zu haben, als er ihr das Buch entgegenstreckte. Sein Blick verwandelte sich, selbstbewusst schaute er sie an, herausfordernd, ein Ausdruck, den sie seit der Beerdigung nicht mehr benutzt hatte.
„Ich bin damit sowieso fertig“, sagte er und stieß ihr das Buch in die ausgestreckte Hand. Als sie auf den Umschlag blickte, stand er behände auf und eilte an ihr vorbei zum Ausgang.
„Warten Sie, ich …“
„Sie brach den Satz ab beim Läuten der Eingangstür. Die Ruhe war wieder da, die irritierende Stille.“
In ihren Händen hielt sie das Buch über den berühmtesten Mord in der Stadt, geschehen vor zehn Jahren. Immer wieder verbreiteten sich frische Gerüchte darüber, wer die dreißig Jahre alte Judith Jäger ermordet hatte in einer Gasse gleich um die Ecke.
War wohl ein weiterer selbsternannter Detektiv, der die Nuss knacken wollte. Als sie den Band ins Regal zurückstellen wollte, fiel etwas aus dem Buch zu Boden. Sonja bückte sich und hob das gefaltete Blatt auf. Sie entfaltete den Zettel, auf dem zwei handgeschriebene Sätze standen.
Ich habe sie getötet, weil Liebe alles rechtfertigt. Eines Tages hätte ich sie verloren, also habe ich vorgesorgt.
Vom Schellen der Tür erschreckt, blickte Sonja zur Tür, von wo der Mann durch den Gang eilte und schon vor ihr stand. Sein Blick wanderte vom Zettel in ihrer Hand zu ihrem Gesicht und wieder zurück. Ob ihr Gesicht sie verriet, ihren Verdacht?
Einen Flecken blauer Tinte an seinem Daumen war das Letzte, was sie sah, bevor sich seine Hände um ihren Hals legten. „Wie glücklich du leben würdest, wenn du dich um anderer Leute Sachen so wenig bekümmertest wie um deine eigenen.“


Die letzte Lektion
Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden.
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