Donnerstag, 17. April 2014

Raumkunst mit Onyxträne (zweiter Teil)

Raumkunst mit Onyxträne (zweiter Teil einer kurzen Geschichte)
Aber ich konnte nicht. Schließlich war ich ein Einbrecher, der Dinge nahm, aber nicht zurückließ. Nur, dass dieses Mal nichts zu …
Doch es gab etwas. Die Idee kam aus dem Nichts, nicht ganz, sondern der Blitz war da, als ich den Spruch las, der sich durch ein weißes Band in der Onyxträne schlängelte: „Wenn ein Kopf und eine Skulptur zusammenstoßen, und es klingt hohl, ist es dann allemal die Skulptur?“ Alles war mit einem Schlag sonnenklar. Diese Wohnung war nicht leer, der kunstsinnige Kiesgrubenbesitzer wollte nur, dass man das meinte. Er hatte den Raum so eingerichtet, dass es so schien, als wäre er leer, war er aber nicht. Er war angefüllt mit dem, was ich über alles in der Welt benötigte, keine Uhren von Lange und Söhne oder Camcorder von Sony. Davon hatte ich mehr als genug. Was ich aber nicht besaß, war Raum.
Diese Wohnung war randvoll mit Raum. Quadratmeter über Quadratmeter aufgeschichteter Raum. Und das hätte ich fast übersehen, in meinem Ärger hätte ich beinahe die Pointe zu dem minimalistischen Witz geliefert. Beinahe, aber nicht ganz.
Ich blickte verzückt umher und ergötzte mich an der Schönheit meines Fangs, nicht nur wegen der Menge, sondern wegen seiner sauberen in der Sonne funkelnden Frische. Schließlich war es das Eigentum eines Mannes von Reichtum und Geschmack, worauf es schließlich ankam. All dieser exquisit gefügte Raum, der sich an die wenigen Gegenstände kuschelte, vom bangen Tischchen in der Ecke bis zum Mineralwasser im Kühlschränkchen, war von einem Kunstkenner gekauft worden. Und eines habe ich gelernt, seit ich alt genug war, mich durch ein Badezimmerfenster zu winden, dass alles, was von einem reichen Ganoven gekauft, von einem armen Ganoven geklaut werden konnte.
Leise pfeifend und von Ohr zu Ohr lächelnd stopfte ich Raum in meinen Seesack. An den nächsten Tagen hatte ich alle Hände voll zu tun.
Mein Raumproblem zu lösen, erwies sich als eine unendlich schwierige und frustrierende Angelegenheit. Zunächst entpackte ich den Raum des Kiesgrubenbesitzers um ihn bei mir zu installieren, was natürlich bedeutete, dass ich die Kisten und Kartons in meiner Wohnung umräumen musste. Nach ein paar Tagen wurde mir klar, dass dieses Gerücke und Geschiebe ewig, wenn nicht länger dauern würde. Zähneknirschend beschloss ich also, mich von meinem Plunder zu trennen. Schließlich aber saß der Raum des Kiesgrubenbesitzers wie reingegossen in meiner Wohnung.
Ich schenkte mir einen Cognac ein und betrachtete meine Arbeit mit Wohlgefallen. Es war völlig unmöglich zu sagen, wo sein eleganter, sauberer Raum endete und mein trister Alltagsraum begann.
Ich lächelte darüber. Vielleicht war der minimalistische Kiesgrubenbesitzer übers Ohr gehauen worden, meinte, er hätte den letzten Raum-Schrei erworben, hatte aber in Wirklichkeit das gewöhnliche Zeug bekommen. Wie alle anderen, die ihr Leben lang damit auskommen müssen. Mir war das schnuppe, ich wollte seinen Raum nicht wegen des Verkaufswertes, sondern wegen der Nützlichkeit. In dieser Hinsicht war ich mehr als glücklich. Die Wände, der Boden, die Decke atmeten leicht und frei vor lauter Raum, der ohne Anstrengung den restlichen Krimskrams schluckte und nach mehr verlangte. Dem Verlangen kam ich freudig nach. Die nächsten 48 Stunden waren die schwungvollsten in meinem Dasein als Einbrecher.
Eine Woche später wurde ich gegen vier in der Frühe wachgeklingelt. Fäuste hämmerten gegen die Eingangstür. Zwei Polizisten in Jeans standen grinsend auf meiner Willkommens-Matte.
„Sie ziehen sich besser was an“, sagte der mit breitem Kopf.
„Dies ist ein Durchsuchungsbefehl“, sagte der leicht nach vorn gebeugte Winzling.
„Weshalb?“, fragte ich.
„Sie sind gesehen worden, als Sie den Tatort verlassen haben. Wir haben einen Zeugen.“ Der Breitköpfige rollte auf seine Zehenspitzen.
„Ich verstehe.“ Ich zitterte. Es war kalt bei geöffneter Tür. „Bitte, kommen Sie herein!“
Fortsetzung folgt
Die letzte Lektion
Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden.
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