Donnerstag, 24. April 2014

Unter Freundinnen (Teil 1)

Unter Freundinnen (Teil 1)
(längere kurze Geschichte 7 oder 8 Folgen)
„Bist du sicher?“, fragte Toni. „Alex ist doch vom Turm gesprungen vor ein paar Jahren.“ „Ja, ich bin sicher, man kann sich so was von Täuschen in den Menschen“, sagte Judith. „Eine mildere Methode hätte ich ihr zugetraut, Schlaftabletten oder so, aber … Wann, ich meine, wo hast du sie getroffen?“ „Am Tag, als die Siegessäule in die Luft gesprengt wurde. Ich dachte, sie wäre bei einem Verkehrsunfall umgekommen. Aber dann saß sie da und streckte und dehnte sich. Alexandra Dahl.“ „Alexandra Dahl, ja stimmt, aber jeder nannte sie nur Alex-Boy.“ „Du warst die Einzige, die sie Boy nannte.“ „Oh, entschuldige, ich habe ganz vergessen, dass sie deine beste Freundin war.“ „War sie nicht.“ „Egal, ich möchte sie wiedersehen, verabrede dich mit ihr.“ „Nein Toni, ich möchte sie nicht treffen.“ „Judith, sei keine Spielverderberin, ich möchte Alex, ich meine Boy, wiedersehen. Hatten wir nicht immer Spaß mit ihr, du wirst sehen.“
Toni kannte ihre Judith, die eines nicht sein wollte, eine Spielverderberin. Sie verstand nicht gleich jeden Scherz, das war eines ihrer Probleme, aber sie hatte immer mitgespielt. Judith schickte Alexa eine Mail.
Toni war gespannt, ob sie noch immer eine Kassenbrille und ihren schieffransigen Pony trug, als sie sich eine Woche später zum Abendessen trafen. Dass sie eine Geschäftsfrau sein sollte, die kleine Alex, musste ein Missverständnis sein. Judith war zu vertrauensselig. Und außer der Wohnung in der Stadt habe sie ein Haus auf dem Lande mit einem Turm. Alex war vierzehn, als Toni sie zum letzten Mal gesehen hatte und was konnte sich in 20 Jahren schon verändert haben? Menschen verändern sich nicht.
„Ist sie das?“, fragte Toni. „Ja!“ „Donnerwetter, aber noch immer keinen Geschmack, schau dir nur den Regenmantel an.“ Der Kellner half einer kurzhaarigen Frau aus einem abscheulichen Überzieher. Für den Rock, den sie darunter trug, hätte sie kein Kilo kräftiger sein dürfen.
„Beim Deibel“, sagte Toni, „eine richtig Bluse, keine Jungenhemden mehr.“ „Sie hat nie Jungenhemden getragen“, sagte Judith, „aber du hast es jedem erzählt, Boys-Hemden.“ „Es war lustig, wo bleibt dein Humor?“ „Sie hat geheult.“ „Sie hat immer geheult, still da kommt sie.“
„Judith, Toni, hallo!“ „Die Bluse ist hinreißend.“ Alexa strahlte, als sich ihre Wangen berührten. Auch ihre Stimme glitzerte, als sie sagte: „Ihr habt euch gar nicht verändert.“ „Danke, danke! Aber du“, sagte Toni. „Ich will es hoffen. Es gibt ja keine bösartigere Beleidigung, als von jemandem zu behaupten, er habe sich gar nicht verändert“, sagte Alexa.
„Hast du das nicht gerade über uns gesagt?“, fragte Judith?
„Ach diese Floskeln, die so leicht von den Lippen fallen“, sagte Alex.
„Ist euch doch nicht zu extravagant hier, aber ich habe gedacht für einen ganz besonderen Anlass. Ich habe Champagner auf Eis legen lassen.“ „Du siehst ganz anders aus, die Bluse, die Brille“, sagte Toni. „Aber ich bin es trotz allem. Hast du etwa geglaubt, ich würde noch immer die Kassengestelle tragen?“ „Wer die nur entworfen hat.“ „Sie waren für arme Leute gedacht, nicht dazu da, toll auszusehen.“ „Und einen Bügel hattest du mit Tesafilm umwickelt. Aber lassen wir die ollen Kamellen, schau dich jetzt an.“
Sie tranken auf die Freundschaft und die Zukunft. Zwanzig Jahre mit all den Unwahrscheinlichkeiten, die sie erlebt hatten, die drei Stunden hätten sich auch ohne Champagner aufgelöst wie Libellen aus Wasserfarbe im Regen. Immer wenn sie auf ihren Mann, auf Richard, zu sprechen kamen, wechselte Alexa das Thema.



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