Sonntag, 16. März 2014

Anfang der Geschichte „Rache von P bis T.“




neobooks: http://goo.gl/UeYZyR
Amazon: http://goo.gl/MVLmWS
auch bei allen anderen Anbietern von epub-E-Books (Thalia, Weltbild etc.)

Anfang der Geschichte „Rache von P bis T.“
Ich erkannte ihn sofort an der Stimme, die etwas tiefer war, aber noch immer zu krümelig für packende Reden. Peter Ast. Aus dem schlanken Kerl war ein massiger Mann mit gepolsterten Schultern geworden. Den mächtigen Oberkörper balancierten lächerlich dürre Beinchen.
Seine Begrüßungsfreude schien ehrlich genug, doch etwas anderes war wichtiger. Kein nervöses Zucken oder Zwinkern zeigte, dass er sich an meinen Namen erinnerte. Was gut so war. Sehr gut. Nur wer ihn so innig kannte wie ich, sah in seinem freundlichen sofort das andere Gesicht.
Normalerweise brauche ich Zeit für Entscheidungen, aber jetzt war mein Plan sofort fix und fertig. Was ich tun wollte, hatte ich in nervösen Nächten ergrübelt mit dem immer gleichen Ergebnis. Da stand er: Peter Ast.
Mit jeder Stufe, die wir stiegen, kamen mir neue Einwände, wie es nicht ging. Wie ich die Dinge auch drehte, klar war nur eines, ich durfte mich nicht voreilig zur Tat hinreißen lassen. Ich würde meinen Job machen und dann in einer Dezembernacht wiederkommen. Monate, nachdem ich die Arbeit erledigt hatte.
„Lassen Sie uns einen Moment verschnaufen“, sagte er.
Er lehnte sich ans Geländer und atmete schwer, wie vor zwanzig Jahren.
„Werden Sie die Reparatur hier vornehmen können oder müssen Sie sie in ihre Werkstatt transportieren?“
„Das hängt davon ab.“
„Wovon?“
„Wie stark sie ausgeschlagen ist.“
„Ja, natürlich, vollkommen klar. Lassen Sie uns nachsehen.“
Als wir oben ankamen, wusste ich, dass ein Aufschub unmöglich war. Die gestochen scharfen Bilder aus der Vergangenheit riefen zur Tat.
„Hier, das ist das gute Stück“, sagte er und gab ihr einen Klaps, den ich auf meinem Hintern spürte, als sei es gestern gewesen.
Der Schlagring der Glocke war an einigen Stellen vom Klöppel stark ausgeschlagen, könnte jedoch an Ort und Stelle durch Aufschweißen von neuem Metall ausgebessert werden. Dann sei der ursprüngliche Ton wieder hergestellt. Das hätte ich sagen sollen.
„Herr Ast“, sagte ich langsam und während ich mich umdrehte, schlug ich ihn mit einem Aufwärtshaken nieder. Nicht eigentlich nieder, denn Ast war auf der Stelle weg und machte den Eindruck, als würde er im Stehen schlafen. Ich ging um ihn herum, schob meine Arme unter seine Achseln und fing ihn auf. Gegen einen Balken gelehnt, fesselte ich seine Hände hinter dem Rücken.
In seinen Taschen fand ich zwei Schlüsselbunde, ein Zigarrenetui, ein halbes Dutzend Fotos, ein Portemonnaie und ein Schweizermesser.
„Was soll ich mit dir machen“, fragte ich ihn.
„Wirf ihn vom Turm“, hörte ich die Stimme von Paul so ängstlich, als wäre es gestern.
„Schneide ihm den Schwanz ab, aber mache die Klinge vorher stumpf und schartig“, sagte die Stimme von Ernst.
„Hänge ihn als Klöppel in eine Glocke und setze sie dann in Bewegung“, sagte Dieter.
Ich musste jetzt mit äußerster Sorgfalt vorgehen, damit der Verdacht nicht auf mich fiel. Mit einem Schlag war der emotionale Aufruhr an seinem Kinn explodiert und das Häuflein Mensch am Balken rief zu schnellem Handeln.
Da lagen die Schlüssel. Vermutlich würde er einen Tag lang nicht vermisst werden. Ich könnte also in der Nacht versuchen in seinem Büro die Verabredungsnotizen zu suchen. Die Unterlagen würde ich vernichten und ihn anschließend vom Turm werfen oder eine bei den Azteken beliebte Methode wählen. Ich musste mir etwas einfallen lassen.
In seinen Mund pfropfte ich sein Taschentuch. Während ich den Halt der Handfessel hinter seinem Rücken überprüfte, zitterten seine Beine. Dabei, seinen Freiheitsdrang mit einem Stück Kabel zu beenden, blinzelte er aus dem rechten Auge. Ich fand sein Gesicht verändert, nur leidend, nicht verzerrt von leidender Lust, wie ich es kannte. Ein Hautmakel an der linken Schläfe - Räude oder Krätze - stand ihm ausgezeichnet. Auf der knolligen Nase ein Geflecht rotblauer Äderchen und jetzt nur noch Bestürzung und Angst in den Augen.
Ich nahm das Schweizer Messer und klappte den Korkenzieher auf, richtete ihn gegen seine Kehle und sagte: „Wenn du schreist, drehe ich dir den Adamsapfel aus der Gurgel. Verstanden?“
Er zwinkerte mit den Augen. Selbst wenn er schreien würde, von hier oben würde ihn da unten vermutlich niemand hören können.
Er hustete und prustete und holte tief Luft, als ich das Taschentuch aus seinem Rachen riss.
„Wer sind Sie?“