Samstag, 22. März 2014

Anfang der Geschichte „Libellenrad“



Anfang der Geschichte „Libellenrad“
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Diese Reisen waren öde, eine lästige Pflicht, gäbe es da nicht gewisse Freuden und Freiheiten, dachte Alex Zacharias. Gestern in Dortmund und heute in dieser Drewermann-Stadt. Paderborn.
Die Frau des Gastgebers, eine dralle Vierzigjährige, hieß ihn willkommen wie einen Vertrauten: links und rechts ein allerzartestes Berühren der Wangen.
Nicht weniger herzlich waren die einführenden Worte ihres Gatten, der aus hochgewölbten Schultern seinen Kopf am mageren Hals pendeln ließ: „Meine Damen und Herren, wir haben das Glück…“ Wie eine Schildkröte, dachte Alex und war glücklich über das Glück, dass die Besucher an ihm haben würden.
Brausend, ach was, schlichtweg angemessen, war der Beifall aus den Reihen und von den Stufen, keine Spur von ostwestfälischer Schwere. Sein Blick wanderte über die leuchtenden Gesichter. Landpomeranze, nicht schlecht, jung. Muskulöse Arme, wohl vom Eisenmelken.
Nach der Veranstaltung ging es zu einem Teueritaliener. Ein kurzes in die Querekommen, ein Schrittchen nach links und die Platzverteilung war geregelt. Alex saß neben der Gastgeberin im Wagen und erschnüffelte in ihrem Parfüm einen Hauch von Frechheit. Nie war er kribbliger als nach den Auftritten am Abend und so erschien ihm nichts angemessener als die Abrundung seines Tages in der flüchtigen Begegnung mit einer geschmeidigen Fremden. Spieglein, Spieglein unter der Decke, wer ist der Übermütigste im ganzen Land?
Zuhause erschienen ihm die Frauen als -, na als was? Kannst ruhig ehrlich sein, bist hier ja allein mit dir in deinem Kopf. Na als was? Als Frauen eben. Warst auch schon mal kühner. Und woanders? Bin ich verflucht leicht entflammbar.
Sicher Manuela war schön wie am ersten Tag, wie vor zwölf Jahren. Und noch immer reizvoll? Aber ja! Doch ihre Schönheit überfiel ihn nicht mehr, war zum bloßen Wissen verwelkt, kein Schlag mehr in den Solarplexus.
Schon als Kind hatte es ihm woanders besser geschmeckt als zu Hause. Du änderst dich nie, als Mann noch immer der Junge, nur der Gaumen ist nicht mehr dein biologisches Zentrum.
Alex tunkte seine Nase zweimal ins Glas, schlürfte einen Schluck Rotwein schnalzte und schmatzte, dass es eine Wonne war, ohne sich um die grimassierenden Gesichter zu kümmern. Drei Augenbrauenpaare näherten sich dem Haaransatz, zwei vereinten sich über der Nasenwurzel und Augen sprachen zu Augen: welch ein Affe! Endlich, das letzte von zweiundfünfzig Aromen, eine Anwehung von Brombeere, war erschlürft, nickte Alex dem Kellner zu.
Manuela war unübertrefflich darin, ihm den Alltag vom Hals zu halten, erledigte die Korrespondenz und wusste zum Essen den richtigen Wein zu wählen.
Zwei Stunden spielte er mit, scherzte und plauderte und hatte offene Ohren fürs Geschwätz. Die Anekdote, als er im Winter unter Lebensgefahr in die Moldau springen musste, fand immer Beifall.
„Ich also im letzten Augenblick auf die Brüstung der Karlsbrücke und dann runter ins eisige Wasser. War nur noch eine Rüssellänge entfernt der Elefant. “ Wenn sie wissen wollten, woher der Elefant kam, erfand er eine neue Geschichte, sei samt Zirkusdirektor geflohen, der in Wirklichkeit ein Mädchenhändler gewesen sei.
Drei oder vier Begleiter waren achtsam genug sein fingiertes Gähnen als Zeichen zu nehmen. Gut so. „Eine gelungene Veranstaltung.“ „Aber ja, jederzeit wieder, ciao!“
Was blieb ihm übrig, wenn er nicht vor den Kopf stoßen wollte, die Fragen mussten beantwortet werden. Unter den Antworten konnte er auswählen, ohne nachdenken zu müssen und je jünger die Fragestellerin, desto provokanter seine Thesen: „Niemand wird jemals klüger!“ Jeder widersprach, niemand überprüfte den Satz an sich selbst.
Da sage einer, was er will, die Nächte ohne handfeste Begegnung waren verlorene Nächte. Gut so, sie zwinkert dir zu. Oh, mach weiter blinzelnde Libelle, auch wenn du mich nicht meinst. Blinzle weiter! Lass sie hängen! Eine Strähne hatte sich in der Wimper verfangen, zwinkre weiter, streich sie nicht zurück! Den Rest werde ich vergessen, aber nicht diesen Augenblick. Deine Augen matt oder glühend, grün oder schwarz, die glänzenden Lippen, alles verkümmert zum leeren Schön. Nicht die Strähne in deiner Wimper. Gutes Zeichen, ihre Finger zupfen zurecht, was deine Augen berühren. Nun zupfe den Träger zurecht. Gut so! Erleben ist ein Erdichten.
Taten ohne Täter
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