Sonntag, 16. März 2014

Anfang der Geschichte „Rache von P bis T.“




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Anfang der Geschichte „Rache von P bis T.“
Ich erkannte ihn sofort an der Stimme, die etwas tiefer war, aber noch immer zu krümelig für packende Reden. Peter Ast. Aus dem schlanken Kerl war ein massiger Mann mit gepolsterten Schultern geworden. Den mächtigen Oberkörper balancierten lächerlich dürre Beinchen.
Seine Begrüßungsfreude schien ehrlich genug, doch etwas anderes war wichtiger. Kein nervöses Zucken oder Zwinkern zeigte, dass er sich an meinen Namen erinnerte. Was gut so war. Sehr gut. Nur wer ihn so innig kannte wie ich, sah in seinem freundlichen sofort das andere Gesicht.
Normalerweise brauche ich Zeit für Entscheidungen, aber jetzt war mein Plan sofort fix und fertig. Was ich tun wollte, hatte ich in nervösen Nächten ergrübelt mit dem immer gleichen Ergebnis. Da stand er: Peter Ast.
Mit jeder Stufe, die wir stiegen, kamen mir neue Einwände, wie es nicht ging. Wie ich die Dinge auch drehte, klar war nur eines, ich durfte mich nicht voreilig zur Tat hinreißen lassen. Ich würde meinen Job machen und dann in einer Dezembernacht wiederkommen. Monate, nachdem ich die Arbeit erledigt hatte.
„Lassen Sie uns einen Moment verschnaufen“, sagte er.
Er lehnte sich ans Geländer und atmete schwer, wie vor zwanzig Jahren.
„Werden Sie die Reparatur hier vornehmen können oder müssen Sie sie in ihre Werkstatt transportieren?“
„Das hängt davon ab.“
„Wovon?“
„Wie stark sie ausgeschlagen ist.“
„Ja, natürlich, vollkommen klar. Lassen Sie uns nachsehen.“
Als wir oben ankamen, wusste ich, dass ein Aufschub unmöglich war. Die gestochen scharfen Bilder aus der Vergangenheit riefen zur Tat.
„Hier, das ist das gute Stück“, sagte er und gab ihr einen Klaps, den ich auf meinem Hintern spürte, als sei es gestern gewesen.
Der Schlagring der Glocke war an einigen Stellen vom Klöppel stark ausgeschlagen, könnte jedoch an Ort und Stelle durch Aufschweißen von neuem Metall ausgebessert werden. Dann sei der ursprüngliche Ton wieder hergestellt. Das hätte ich sagen sollen.
„Herr Ast“, sagte ich langsam und während ich mich umdrehte, schlug ich ihn mit einem Aufwärtshaken nieder. Nicht eigentlich nieder, denn Ast war auf der Stelle weg und machte den Eindruck, als würde er im Stehen schlafen. Ich ging um ihn herum, schob meine Arme unter seine Achseln und fing ihn auf. Gegen einen Balken gelehnt, fesselte ich seine Hände hinter dem Rücken.
In seinen Taschen fand ich zwei Schlüsselbunde, ein Zigarrenetui, ein halbes Dutzend Fotos, ein Portemonnaie und ein Schweizermesser.
„Was soll ich mit dir machen“, fragte ich ihn.
„Wirf ihn vom Turm“, hörte ich die Stimme von Paul so ängstlich, als wäre es gestern.
„Schneide ihm den Schwanz ab, aber mache die Klinge vorher stumpf und schartig“, sagte die Stimme von Ernst.
„Hänge ihn als Klöppel in eine Glocke und setze sie dann in Bewegung“, sagte Dieter.
Ich musste jetzt mit äußerster Sorgfalt vorgehen, damit der Verdacht nicht auf mich fiel. Mit einem Schlag war der emotionale Aufruhr an seinem Kinn explodiert und das Häuflein Mensch am Balken rief zu schnellem Handeln.
Da lagen die Schlüssel. Vermutlich würde er einen Tag lang nicht vermisst werden. Ich könnte also in der Nacht versuchen in seinem Büro die Verabredungsnotizen zu suchen. Die Unterlagen würde ich vernichten und ihn anschließend vom Turm werfen oder eine bei den Azteken beliebte Methode wählen. Ich musste mir etwas einfallen lassen.
In seinen Mund pfropfte ich sein Taschentuch. Während ich den Halt der Handfessel hinter seinem Rücken überprüfte, zitterten seine Beine. Dabei, seinen Freiheitsdrang mit einem Stück Kabel zu beenden, blinzelte er aus dem rechten Auge. Ich fand sein Gesicht verändert, nur leidend, nicht verzerrt von leidender Lust, wie ich es kannte. Ein Hautmakel an der linken Schläfe - Räude oder Krätze - stand ihm ausgezeichnet. Auf der knolligen Nase ein Geflecht rotblauer Äderchen und jetzt nur noch Bestürzung und Angst in den Augen.
Ich nahm das Schweizer Messer und klappte den Korkenzieher auf, richtete ihn gegen seine Kehle und sagte: „Wenn du schreist, drehe ich dir den Adamsapfel aus der Gurgel. Verstanden?“
Er zwinkerte mit den Augen. Selbst wenn er schreien würde, von hier oben würde ihn da unten vermutlich niemand hören können.
Er hustete und prustete und holte tief Luft, als ich das Taschentuch aus seinem Rachen riss.
„Wer sind Sie?“

Samstag, 15. März 2014

Curry, Senf und Ketchup (Rezension)




„…an Pulp Fiction erinnernden Dialoge…“
Darüber habe ich mich gefreut. Über diese Rezension.
Friedrich Wulf: Curry, Senf und Ketchup (Rezension)
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Im Mittelpunkt des Krimis “Curry, Senf und Ketchup” von Friedrich Wulf steht Kommissar Max Berger. Er muss den Mord an einem Universitätsprofessor aufklären. Bald darauf ereignet sich ein zweiter Mord in der Skinhead-Szene. Erst später stellt sich heraus, dass diese Morde zusammenhängen und der Serienkiller es auf weitere Personen abgesehen hat. In tagebuchartigen Einschüben kommt der Mörder zu Wort und erzählt aus der Ich-Perspektive mehr über seine Motive.
Anfangs dachte ich, ich hätte es mit einem ganz normalen Krimi mit einem spannenden Plot zu tun. Schnell wurde ich aber von der etwas anderen Schreibe Friedrich Wulfs überrascht. Inmitten der sauber redigierten Geschichte dominieren groteske und absurde Gedankengänge und Abschweifungen der Protagonisten. Das und die an Pulp Fiction erinnernden Dialoge machen den Krimi zu einem ganz besonderen Lesegenuss.
Curry, Senf und Ketchupist im Kindle-Shop von Amazon erhältlich und kostet 1,02 Euro. Das eBook umfasst 6591 Positionen. Das entspricht einem Umfang von mehr als 350 gedruckten Seiten. Für wenig Geld erhält der Leser hier einen sehr umfangreichen Krimi der etwas anderen Art.
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Freitag, 14. März 2014

Taten ohne Täter (erstes Kapitel)




Taten ohne Täter (erstes Kapitel)
Theo Kremer unterrichtet Englisch an einer Schule, an der erwachsene Schüler ihr Abitur nachholen. Theo gehört zum üblichen Zoo von Lehrern und ist gesegnet mit einem robusten Ego. Doch dann widerfahren ihm Dinge, die er nicht erklären kann.
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„Ich weiß Theo, dir passiert so was nicht“, sagte Günther. „Nein, stimmt, mir ist so was noch nie passiert.“ Aber wundert mich nicht, wer nur die Peitsche schwingt, erzieht Kettenhunde und die bellen nicht nur, dachte ich, sagte jedoch: „Seltsam, vielen Studierenden hätte ich das zugetraut. Aber denen! Nein wirklich nicht. Das sind meine Musterleute“, schüttelte ich den Kopf. „Dass gerade die Cleversten dir so mitspielen. Ich meine, man kuckt doch vorher auf den Stuhl, auf den man sich setzen will.“
Entschuldigung, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Theo Kremer ist der Name und ich bin der Erzähler und das Opfer der Ereignisse.
Dass die Erlegnisse - Versprecher! Aber den lass ich mal stehen, denn er passt, ist gar kein schlechtes Wort: Erlegnisse. Dass die Erlebnisse an manchen Stellen alles andere als realistisch erscheinen mögen, liegt an den Umständen und an der Angst, die verrückt machen kann. Ja, Angst kann wirklich aberwitzige Spinnereien in den Kopf pflanzen, kann arge Dinge bewirken, auch erfinderisch machen. Angst kann verrückt und erfinderisch machen. Die Erfindungsgeschichte der Menschheit eine Geschichte der Angst? Hat schon mal jemand darüber geforscht? Du schwafelst ab, Theo! Günther hat längst noch nicht ausgemault.
„Theo, das sind Erwachsene, rechnest du damit, dass die sich wie Kindsköpfe gebärden?“ „Nein, du hast recht, tun sie ja auch nicht, bei mir jedenfalls tun sie das nicht.“
Ich war gespannt, wie er heute seine verbeamtete Aufsehermentalität verbrämen würde. „Du weißt, immer hart, aber gerecht, ist meine Maxime.“ Ja, manchmal muss man die Peitsche schwingen, aber man muss sie auch handhaben können wie ein Zirkusartist, sonst schlägt man sich am Ende selbst, dachte ich. „Ich bin immer für Geradlinigkeit gewesenen im Leben wie in der Schule, ich habe Briefe, sag ich dir, zig Briefe habe ich von Ehemaligen, die erst später gemerkt haben, dass ich sie richtig angepackt habe, dass ich ihnen den Schlendrian ausgetrieben habe, das schreiben sie mir, zig sage ich dir - zig.“ Sein Zeigefinger verprügelte die Luft. Kein Verbogener bemerkt, dass er einer ist, auch das ist ein Glück unserer ewigen Selbsttäuschung; der Paranoide ist zu beneiden, er braucht kein Kino. Aber ich sagte. „Ja, sie erfinden sich ihr Leben zurecht.“ „Genau sie finden sich im Leben zurecht, weil ich ihnen die Faxen ausgetrieben habe, sonst hätten sie das Abi niemals geschafft und jetzt studieren sie sogar Mathe. Aber die Bande!“ Günthers Daumen wies über seine rechte Schulter in die Richtung des Klassenraums. „Vor allen Dingen deine Vier, -schrecklich! Seit einigen Tagen haben sie eine neue Macke, malen ein Fragezeichen in die Luft und raunzen im Chor. ‚Bei Donner, Witz oder beim Segen.‘ Kannst du mir mal sagen, was der Unsinn soll?“ Es war ein schönes Stück Arbeit, nur im Kopf zu grinsen.
Natürlich wusste ich, was das bedeutete, schließlich, - den Unsinn hatte ich angeregt, sie hatten nur die ersten Zeilen abgewandelt. „Jedenfalls die Bande will einfach nicht einsehen…“ „Was gut ist für Erwachsene“, ergänzte ich. „Was gut ist für den Erfolg in der Schule und im Leben, das ist kein Schlecken von kandierten Äpfeln.“ „Nein, nur der Gehärtete und scharf Geschliffene kommt an, wenn es hart auf hart zugeht und so geht es nun mal zu da draußen, nicht wahr, früh übt sich der harte Hund.“ „Ja, genau, ja so ungefähr, aber seit wann denkst du…?“ „Ach Günther, du weißt doch, was Clausewitz bei Waterloo gesagt hat, nicht wahr?“ „Nun, was hat er gesagt?“ „Wer seinen Gegner vernichten will, der muss ihn zuerst studieren.“ „Ja, ja ich weiß, aber partnerschaftliche Anbiederung liegt mir nicht.“ „Schon wieder falsch, nicht nur Peitsche und Zuckerbrot. Zeig Ihnen die Nützlichkeit deines Unterrichts, wer für sich einen Nutzen sieht, der - Mensch Günther, das liegt doch auf der Hand: Die müssen ihren Nutzen sehen.“ „Ich unterrichte Mathematik.“ „Ja, stimmt - da hast du dann wohl wirklich ein Problem.“
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Donnerstag, 13. März 2014

Nacktes Entsetzen (Anfang)





Thomas’ Frau verlässt ihn im Streit, um einen Dokumentarfilm im Rotlichtmilieu zu drehen. Ein neues Aktmodell posiert für Thomas. Aus diesem Arbeitsverhältnis entwickelt sich für Thomas ein Albtraum aus Misstrauen, Verdächtigungen und Paranoia.
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Wie fing es an? Wie die meisten verstörenden Ereignisse. Es begann mit dem Alltäglichen, dem Gewöhnlichen, dem Familienleben.
Ich dachte, Vanessa suchte die Hausschlüssel.
„Ablage, Jackentasche, Handtasche, Schublade. Wann hast du sie zum letzten Mal benutzt“, fragte ich.
„Gestern“, antwortete sie.
„Seit gestern warst du nicht mehr raus?“
„Nicht mit dem Auto, ich brauche deine Autoschlüssel.“
„Warum nimmst du nicht dein Auto?“
„Thomas, das Ding ist kaputt.“
„Welches Ding?“, fragte ich.
„Der Schlüssel, der Sender… Hast du doch kaputtgemacht, als die Alarmanlage losplärrte.
Es gibt Tage, an denen das Schicksal besonderen Spaß am Schabernack zu haben scheint. Als ob es nicht gereicht hätte, die Ruhe der Nachbarschaft zu stören, aber nein, ich versuchte den Schaden selbst zu beheben und benutzte dazu ein Brotmesser. In meiner Hast, das wüste Jaulen der Alarmanlage abzustellen, stieß ich mir beim Einsteigen die Brille von der Nase. Halb blind fummelte ich mit dem Brotmesser am Schlüsselsender herum, rutschte ab und stieß mir mit der Messerspitze in den Handballen.
„Hast du den Sender reparieren lassen? Eine neue Brille?“, fragte Vanessa.
„Du glaubst nicht, was das kostet“, sagte ich. „Einhundertundvierzig Euro für einen Sender.“
„Bestellen! Was ist mit der Brille?“
„Zu teuer!“
„Du bist Künstler, Thomas. Ich verstehe dich nicht.“
Das Telefon unterbrach unser Gespräch, das seinen gewöhnlichen Verlauf nehmen wollte, denn wenn wir etwas in unserer Ehe gelernt hatten, dann aus jeder Mücke eine Elefantenherde zu machen. Egal wie nichtig der Anlass, nach wenigen Minuten lagen wir uns in den Haaren und weideten uns an unserer Genialität den anderen mit Bosheiten zu übertreffen. Am Telefon war Sebastian, der sich wunderte, dass ich ihn sofort an der Stimme erkannt hatte. Dabei hatte ich ihn schon tausendmal darum gebeten, er möge meinen vollen Namen benutzen. Aber nein, er scherte sich einen Dreck um meinen Wunsch, sondern machte sich offenbar einen Jokus daraus, mich Tom zu nennen.
Ich reichte Vanessa den Hörer und musste mir ihr Gekicher anhören. Auf meine Frage, worüber sie gelacht habe, antwortete sie nur: „Nichts, nichts weiter. Über die Arbeit. Ich muss jetzt los.“
„Jaja, ich weiß. Und sag ihm, wenn er das nächste Mal anruft, soll er mein „as“ nicht vergessen.“
„Ich muss los.“
„Nur zu, und grüße mir die Nutten.“
„Darauf hab ich gewartet, das bist du, das tust du am liebsten, das kannst du. Sie sind keine Nutten, sie sind Tänzerinnen.“
„Sie ziehen sich aus, und sie…“, sagte ich.
„Das ist stark, das ist wirklich scharf von einem Mann, der den ganzen Tag nackte Frauen anstarrt“, sagte Vanessa.
„Nicht nackt, unbekleidet, da gibt es einen Unterschied“, sagte ich.
„Das ist Haarspalterei“, sagte Vanessa.
„Nein, der Unterschied ist Ästhetik.“
„Du moralisierender Heuchler, sie tun es für Geld, genau wie deine Modelle.“
„Der Unterschied ist, ich beute sie nicht aus.“
„Der Unterschied ist, du bezahlst ihnen einen Hungerlohn, wenn das nicht Ausbeutung ist.“
Ich wollte nicht, dass sie ging. Nicht zu ihrer lausigen Arbeit, schon gar nicht zusammen mit dem jovialen Sebastian ihrem lausigen Kollegen. Vanessa unterstellte mir, dass ich ihre Arbeit nicht schätze, dass ich sie immerzu schlechtmache, was ich natürlich abstritt. Auf meine Andeutung, sie möge nichts Dummes machen, verdrehte sie ihre Augen und erwähnte meine dummen, aber nicht reizlosen Modelle. Ich flehte sie an, nicht zur Arbeit zu gehen, sich krank zu melden, aber sie lachte nur, wie das möglich sei, wer ihr das glauben solle, eben noch gesund und jetzt die galoppierende Grippe? Schon in sieben kleinen Tagen sei sie wieder da.
„Geh nicht, wir bleiben eine Woche im Bett.“
„Die Sendung, es geht nicht.“
„Eine Nacht, nur eine Nacht“, sagte ich. „Du kannst mir zeigen, was du bei den Tänzerinnen gelernt hast. Ich hole mein Taschenkamasutra.“
„Ich muss gehen, nur eine Woche. Wenn die Sendung fertig ist…“
„Die Sendung! Ja, ein weiteres Porno-Programm, worauf die Welt gewartet hat.“
„Schon wieder, du machst meine Arbeit klein“, sagte Vanessa.
„Habe ich nicht nötig, machst du schon selbst.”
Das war ein Fehler. In dem Moment, wo ich es sagte, wusste ich, dass ich es nicht hätte sagen sollen. Aber ich konnte keine Ruhe geben, musste immer weitersticheln.
„Ich will natürlich wissen, alle Welt will wissen, welche Weisheiten sie zum Besten geben, deine Tänzerinnen. Was meinst du, wie viele voyeuristische Dokumentarfilme über Nutten vertragen unsere lüsternen Bildschirme?“
Ich verabscheute, was aus dem Fernsehen geworden war, was es aus der Arbeit von Vanessa gemacht hatte, die mal gut war, richtig gut. Und dann machte sie ihren Fehler, als ich sagte, ihre Pseudo-Berichte über die Pornoindustrie seien für verklemmte Wichser. „Zumindest können wir damit die Rechnungen bezahlen“, rief sie. „Einer von uns muss ja was verdienen, oder?“
Das tat weh. Sie hatte ja Recht, aber dennoch war es verletzend. Und um sie zu verletzten, ließ ich nicht locker und warf ihr vor, dass sie keine Gelegenheit verpasse, mir einzubläuen, wer uns am Leben hielt. Damit hatte ich den Bogen überspannt, denn es stimmte einfach nicht in dieser idiotischen Verallgemeinerung. Wortlos schulterte Vanessa ihre Tasche und stürzte aus dem Haus. Wenige Augenblicke später heulte der Wagen auf wie ein geprügelter Köter.

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Mittwoch, 12. März 2014

Die letzte Lektion (2. Kapitel)


Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden.
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Horst Krock hatte Sorgen. Seine Sorgen waren gestaffelt wie Horizonte, die sich immerzu verschieben, sich mal in den Vordergrund drängen und dann wieder zurückziehen. Alle seine gestaffelten Sorgen wurden eingerahmt von den Befürchtungen um seinen Job. Akut in den Vordergrund drängten sich die roten Zahlen auf seinen Bankkonten. Noch akuter jedoch war das konvulsivische Jetzt: Er kotzte gerade über seinen Zahnarzt. Da wirst du alt wie eine Kuh und lernst jeden Tag noch was dazu. Es war offenbar ein Fehler, sich mit einem hemmungslosen Kater in die Folterkammer eines Zahnarztes zu begeben.
Zum Zahnarzt ging niemand gern, aber normalerweise betrachtete Krock die Tortur wie alles andere im Leben auch: als einen Witz. Er wusste, wie man sich vor allzu brutalen Bohrübungen des Zahnarztes schützte: mit einem schnellen Griff. In dem Augenblick, in dem die Marterliege gesenkt wurde, griff er dem Zahnarzt gewöhnlich zwischen die Beine und grinste: „Wir werden einander doch nicht wehtun, nicht wahr?“ Aber jetzt erbrach er Brocken, von denen er nicht wusste, was sie im Original gewesen sein mochten.
Den Griff hatte er heute vergessen, viel zu nachlässig war seine Stimmung. Horst hörte kaum das Knacken und Knirschen im Maul und verdrehte nur die Augen bei der zweiten Aufforderung: „Weiter öffnen!“ Sein Magen war eine servile Sau, er nahm den Befehl wörtlich und öffnete sich auf der Stelle. Seine Speiseröhre dehnte sich und schon strömten aus seinem Rachen acht Halbe, sechs doppelte Whiskys, Dönerklumpen, etwas Krautsalat, zwölf Erdnüsse, zwei Schinkenlappen - alles in allem 35 Euro und 25 Cent an Getränken und Fressalien. Oder um genau zu sein, davon die halb verdauten Reste. Nachdem sich Horsts Magen, dann sein Mund und schließlich die Tür weit geöffnet hatten, brauchte er einen neuen Zahnarzt.
Das hätte Horst Krock normalerweise nicht sonderlich gestört. War willkommenes Erzählmaterial für die nächste Kneipennacht. Zu diesem Zeitpunkt in seiner Karriere jedoch durfte die Eskapade unter keinen Umständen bei seinem Arbeitgeber ankommen. Krock war ein Experiment, ein Prototyp, der erste Vollzeit Kriminalreporter beim Paderborner-Rundfunk und nach den Erfahrungen mit ihm, standen die Sterne günstig, dass er auch der letzte sein würde. Er war ein verflucht guter Journalist; ausgefuchst, trinkfest und ohne Abitur.
Er hatte eine prächtige Journalistennase, knubblig und porös, die seinem geräumigen Gesicht stand. Krock war glücklich, wenn er mit jemandem reden konnte, und konnte es mit den meisten.
Horst Krock bildete sich nichts ein, bis auf den Umstand, mit Menschen jeder Art reden zu können und hielt es für das Zeichen großer geistiger Gesundheit. Gäbe es ein Verbrechen im Kreise der Honoratioren der Stadt Paderborn, für ihn wäre es eine leichte Übung, Fakten, Fuseln und Flusen zu finden vom Bürgermeister bis zur Putzfrau des Rathauses. Er kannte sämtliche Polizisten, auf die es ankam und auch die meisten Top-Ganoven der Stadt. Dass er zwischen den Ganoven und Top-Polizisten keinen wirklichen Unterschied machte, konnte jedermann hören, wenn er für 35 Euro und 25 Cent getrunken und gegessen hatte.
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Dienstag, 11. März 2014

Curry, Senf und Ketchup (1. Kapitel)


Kommissar Max Berger muss einen ersten Mord lösen, zu dem es viele Zeugen, aber weder Spuren noch Motive gibt. Prof. Liedvogel ist während einer Vorlesung erschossen worden. Der zweite Mord ist grässlicher und führt Berger in die Skinhead-Szene.
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Zum dritten Male krampfte sich sein Magen zusammen. Robert Zimmermann verzog sein Gesicht, als wäre ihm Zwiebelsaft in die Augen gespritzt worden. Dabei hatte der letzte Schluck Kaffee sich am Bestimmungsort nur unwohl gefühlt. Der Kaffee hatte den ätzenden Rückweg durch die Speiseröhre angetreten und füllte seinen Mund nun als saure und beißende Brühe.
Er spuckte die heiße Säure ins Spülbecken und wusste, dass sein Magen keinen Spaß mehr verstand. War immer ein übles Zeichen, wenn der Körper sich meldete, wenn der Magen meinte sich eigenwillig aufspielen zu müssen, weil drogistische Hilfen nicht länger geschätzt wurden.
Wenn der Körper Kaffee also zum Kotzen fand, dann mussten andere Mittel her, um seine Schaffenskraft auf Trab zu halten, denn Professor Liedvogel war noch humorloser als sein Magen. Was nicht perfekt war, wurde von Liedvogel so verrissen, dass man sich wünschte, niemals ein Seminar bei ihm besucht, ja, niemals eine Uni von innen gesehen zu haben.
Aber das Ende war in Sicht. Nach drei durchwachten Tagen und Nächten konnte Robert manch Gutes, wenn nicht Großes abliefern, um dem Liedvogelschen Fallbeil zu entgehen. War keine Kleinigkeit Liedvogels Schnabel zu schließen, war ungefähr so wahrscheinlich wie ein funktionierender Computer über mehr als drei Tage. Liedvogels Gnadenlosigkeit hatte volkswirtschaftlich äußerst positive Wirkungen. Seine Studenten, häufig Ex-Studenten, sorgten für volle Sprechstunden bei Quacksalbern jeder Couleur und sie unterstützten neben der Pillenindustrie ungefähr die Hälfte der Paderborner Kneipen.
Erst im letzten Semester konferierte der gesamte Psycho-Fachbereich sechs Stunden, um einen Sprungbereiten vom Turm zu locken. Scheußlich spannende Szene. Bis er endlich sprang. (Alternative für Zartbesaitete: Bis er dann doch nicht sprang.)
Zimmermann rieb sich mit seinen Zeigefingerknöcheln beinahe die Augen aus dem Kopf. Eine Nasevoll und dann noch einmal totale Konzentration, damit die Endversion und nicht etwa eine Zwischenarbeit durchs Kabel rauschte. Wäre ein Desaster! Ich piss mir in die Hose, wenn Liedvogel den Kopf zur linken Schulter senkt.
Eine Woche Komatrinken hatte Zimmermann über die letzte Katastrophe gerettet. Dieses Mal gab es nur zwei Möglichkeiten - Taxifahrer oder Sprung vom Turm. Was ungefähr das Gleiche war.
Jetzt nur nicht vergessen, die Datei an die Mail zu hängen. Selbst solche Lappalien reizten Liedvogel zu enormen Aufschwüngen seiner Lust an sarkastischer Erniedrigung. So, jetzt noch ein Mausklick auf den Sendeknopf. Ab die Post!
Die Kiste aus und in die Kiste rein waren kaum getrennte Vorgänge, reines Fließen. Nichts als tiefer, tiefer Schlaf!!
Um 16.30 Uhr wachte Robert auf, blickte auf den Wecker und hatte noch eine halbe Stunde. Neben dem Bett die Hose. Er sprang hinein, bückte sich, warf Arme und Hemd in die Luft und rieb sich durch die Augen. Fertig! In einem Pappschälchen vergammelten zwei altersgraue Stückchen Currywurst. Auf Ekelgefühle nahm Roberts Hunger keine Rücksicht. Zu den kalten Hochfettinnereienrollen schlürfte er Kaffe und eilte zur Uni.
Um 16 Uhr öffnete Professor Liedvogel die E-Mail und grinste, als er die Sendezeit las: 03:23. Er ließ den Drucker schnurren, nahm aus einem Hängeordner die Arbeit von Ole Nieljung, blätterte hinein, neigte den Kopf zur linken Schulter und mit verkniffenen Mundwinkeln warf er Nieljungs Arbeit auf den Schreibtisch.
An einer Pinnwand hing ein Poster mit einer Rakete, die das Universum durchquerte und im Schlepp ein Banner zog mit den Worten: „Make big plans!“ Natürlich wusste Liedvogel, dass seine Kollegen das für großmäulig hielten. Wer nicht mithalten konnte, war eben zu neidischem Schielen verdammt. Mickrige Gefühle, mickriger Köpfe! Hauptsache, seine Mitarbeiter wussten, was ihr Chef bewegte: 30 Stellen hatte Liedvogel an seinem Paderborner „Medien Center“ geschaffen. Ganze drei davon bezahlte die Uni selbst, alle anderen wurden durch Drittmittel finanziert.
Er blickte auf seine Uhr, rupfte den Aufsatz von Zimmermann aus dem Schacht des Druckers, überflog das Vorwort und las die erste echte Seite. Er nickte hier, neigte dort den Kopf zur gefährlichen Schulter und schob sein starkes Kinn vor.
Liedvogel blickte abermals auf seine Uhr, schaute dann zur Tür, schloss eine Schreibtischschublade auf und nahm ein Fläschchen heraus. Eine violette Pille kullerte in seine Handfläche, er führte sie zum Mund und warf den Kopf schluckend in die Luft wie ein Reiher, der einen Fisch durch den Schlund würgt. Es ist ein Wunder, dachte Liedvogel und summte eine Melodie. Ein Lächeln, im Husch da, im Husch vorüber. Die Melodie, vorher ein Nichts, nachher ein Nichts, kommt als Gespenst wieder und stört die Ruhe eines späteren Augenblicks. Robert Zimmermann hätte den Song als „Mother’s Little Helper“ identifiziert, weil er sich mit so was  auskannte. Wahrlich kein Wunder bei seinem Namen. Aber Robert Zimmermann war zu spät.

Zur Besprechung mit Liedvogel federte er den Korridor hinunter, als käme er gerade aus einem Seminar über die glückbringende Wirkung von Mimik und Bewegung. Und was verriet sein Gesicht mit der messerscharfen Nase? Grinse außen, dann grinst du auch innen. Seminarziel erreicht!
Die Faust von Liedvogel reichte bis in Roberts Eingeweide. Sein Magen eine zusammengepresste Blechdose. Alle verwünschten Liedvogel, aber alle hingen auch an seinen Lippen und lechzten nach seinem Lob und nichts weniger als das erwartete Zimmermann für seinen Aufsatz.
Ganz außerordentliche Ergebnisse hatte er zutage gefördert. Sah sich schon in der „Kulturzeit“, hörte die einführenden Worte von Zobel: „Eben erschien in Paderborn eine sensationelle Untersuchung. Zu Gast heute Abend im Studio der Medienwissenschaftler Robert Zimmermann. Bevor wir über Einzelheiten sprechen, möchte ich Sie bitten, die Ergebnisse Ihrer Studie kurz vorzutragen. Schon der Titel ist ein Knaller.“
„Ja gern, Herr Zobel. Mein Aufsatz heißt: Das Fernsehen als lebensförderndes Palliativum für Senioren.“
„Sehr schön, ganz famos, sensationell!“, sagte Zobel.
Vor der Tür zum Liedvogelschen Büro zögerte Robert einen Wimpernschlag lang und seine Haare gaben preis, welche Unwetter sich in seiner Kuppel entluden. Sie standen zu Berge und flirrten wie Kolibriflügel. Doch, doch der Aufsatz war ein kolossaler Wurf! Die Sprache kernig und männlich wie bei Schopenhauer. Und dann erst die Ergebnisse, so überraschend wie neu; der Durchbruch war da! Gedanken wie Axthiebe! Sein Anklopfen entsprach dem anschwellenden Sturm in seinem Hirn.

„Zimmermann, na endlich!“ Liedvogel blickte auf seine Uhr. „Wegen der zehn Minuten brauchen Sie die Tür nicht gleich einzuhämmern. Hier Zimmermann!“
Liedvogel warf ihm einen Aufsatz zu. „Mist! Überarbeiten!“ Zimmermanns käsiges und hagerknochiges Gesicht verfärbte sich, wurde nicht gerade puterrot, aber immerhin bekamen seine Wangen etwas Rosiges.
„Wie bitte?“
„Setzen Sie sich mit Nieljung zusammen, so geht das nicht. Er lieferte schon gestern und ist uneinsichtig, sieht nicht, welche Plattitüden er da aneinanderreiht. Und die Sprache, sie müssen da mit dem Hobel ran Zimmermann. Nieljung ist ein Schwachkopf. Selbst bei Orkan fällt der Apfel eben nicht weit vom Stamm. Ich habe ihn rausgeworfen. Aber das hier erledigen Sie noch zusammen mit ihm.“
„Nieljung rausgeworfen?“
„Wollen Sie ihn weiterhin mit durchziehen, Zimmermann?“
„Hat der Stamm schon angerufen?“
„Nein!“
„Macht er denn noch mit, nach dem Rauswurf. An dem Aufsatz meine ich?“
„Er glaubt noch nicht so richtig dran, machen Sie mal. Und nun zu ihren Geistesblitzen. Nachtarbeiter wie?“
An einem Dutzend Stellen pappten Zettel zwischen den Seiten seines Aufsatzes. Ein gutes Zeichen, ein bedrohliches Zeichen? Waren das die Stellen mit den kräftigen Thesen oder den noch kühneren Folgerungen?
„Setzen Sie sich. Kommen Sie her!“ So nah, so nah war Zimmermann unheimlich, und schon hatte er sich gestochen an der Liedvogelschen Au, Au, Aura.
Gemeinsam schauten sie in den Aufsatz. Pluszeichen hielten den Fragezeichen die Waage. Auf den ersten beiden Seiten.
„Zimmermann, das hier“, Liedvogel tippte auf unterschlängelte Stellen, „das ist gut, wirklich stark.“
Wie bitte? Zimmermanns Geist machte dicht. Was? Wie? Wo ist das Aber? Kommt kein Aber? Das sei gut, sei gar stark?
„Aber“, fuhr Liedvogel fort, „um Himmels willen, erfinden Sie eine authentische Quelle. Zum Beispiel eine Umfrage unter Senioren, nehmen Sie meinetwegen Ihre Großmutter, aber verweisen Sie doch nicht auf einen Roman als Belegmaterial für ihre Thesen.“
Eine Großmutter wollte Robert wohl erfinden, eine Kleinigkeit. Die Rettung aus der stachligen Aura trat ins Büro. Chrissi Hains überreichte Zimmermann eine Kopie seines Aufsatzes und so konnte er Reißaus nehmen aus der Liedvogelschen Stachelaura.

Liedvogel nahm den Seiteneingang zum Hörsaal, denn schon eine Viertelstunde vor dem Beginn der Vorlesung waren auch die Treppenstufen des Saals besetzt. „Durch die Katakomben“, wie er es nannte. Zimmermann hörte etwas anderes hindurch, Liedvogels Eitelkeit, seine Enttäuschung darüber keinen Auftritt zu haben, nicht die Treppe hinuntertänzeln zu können.
Chrissi und Robert warfen die Maschinerie in Gang. Robert fuhr die Leinwand hinunter, Chrissi legte die DVD ein, positionierte den Beamer und drehte am Objektiv, bis das Bild scharf war. Liedvogel war ein Liebhaber des Details, das Große und Grobe bekamen auch die Doofen mit, aufs Feine und Kleine kam es ihm an und auf den Subtext, besonders den Subtext und den ironischen Blick.
Und was wurde gegeben? Hier wurde nichts gegeben! Liedvogel hielt eine Vorlesung mit dem Titel: „Paradoxie und Selbstreferenz im modernen Film.“
Nach der ersten Szene, ein hysterisches Pärchen überfällt ein Restaurant, stoppte Chrissi den Computer und Liedvogel erklärte, was alle gesehen, aber im feinen Detail eben doch nicht gesehen hatten. Denn Studenten sahen nun mal nichts, dazu brauchten sie die Augen eines großen Gelehrten. Erst der setzte ihnen Augen ein. Und wer sähe mehr und tiefer als ein deutscher Denker?
Zimmermann sah allerdings kaum etwas, dazu war ihm viel zu warm, zu wohlig, so dämmersüchtig zumute, so zum Gähnen gemütlich!
Vier Schüsse reißen seinen Kopf hoch. Aus tiefem Traum erwacht, kann er noch gerade sein letztes Traumbild mit in den Hörsaal herüberzerren: Charles Bronson mit Mundharmonika. Doch kein Mundharmonikaspiel-mir-das-Lied-vom-Tod im Hörsaal. Es ist ruhig im Saal und auf den Stufen. Eine entsetzliche Stille! So still wie nach den vier Schüssen in seinem Traum. Das Bild läuft nicht mehr, Liedvogel spricht nicht mehr. Einer liegt vor der Leinwand.
Ein Pistolenschuss zurück! Zimmermann träumte noch von Cowboys im Staube von Arizona oder Utah und Chrissi, ihre Hand noch auf der Maus, wartete noch auf den Wink von Liedvogel, als ihr Harry auf die Schulter tippte. „Was machst du danach?“ „Gleich, gleich, sei still!“
Sie drehte sich wieder um und blickte zu Liedvogel hinunter. Er winkte und dann knallte es aus der erhobenen Hand und der Mann ging zur Seitentür hinaus, durch die sie vor einer halben Stunde gekommen waren. Aber es war nicht Liedvogel, der gewinkt hatte und nun hinausging. Liedvogel lag vor der Leinwand.

Sonntag, 9. März 2014

Humorbeglücker! Bleibt mir vom Leibe!


Ich möchte nicht erheitert werden! Bitte, hört auf mich erheitern zu wollen. Ich bin anders heiter, bitte!
Ich halte mich für einen Menschen mit riesigen Humorquanten. Ich muss wohl Engländer sein.
Doch eines wird häufig nicht bedacht von Menschen, die mit Humor beglücken wollen: Er muss passen. Sonst wird das nichts, zündet nicht!

Aber es scheint fast unmöglich zu sein, einzusehen, dass mein Lachanlass, einem anderen nur ein ungläubiges Stirnrunzeln entlocken kann. Aber die Humorbeglücker versuchen es immer wieder. Der Glaube ein anderer könne doch eigentlich nicht anders ticken als man selbst, ist stark, ist nicht unterzukriegen, nicht auszumerzen. Ob der Gedanke bewusst gedacht wird, ich weiß es nicht, aber mir scheint, als wäre der Gedanke immerzu präsent.

„Die anderen können doch nicht anders sein. Ich lache, also ist der Anlass lustig, also müssen andere auch darüber lachen. Was ich lustig finde, ist an sich lustig.“
Ist es aber nicht! Was lustig ist, ist es nur für mich und für den einen oder anderen, der ähnlich ticken mag.

Und bitte, bitte keine Witze. Ich verzichte gern auf diese schale secondhand Heiterkeit.
Hier etwas, das ich nicht jedem unaufgefordert zuschicke, weil es an sich witzig wäre, sondern für mich. Ich finde es phantastisch. A good laugh with George Carlin!

George Carlin: I'm a modern man



Taten ohne Täter

Theo Kremer unterrichtet Englisch an einer Schule, an der erwachsene Schüler ihr Abitur nachholen. Theo gehört zum üblichen Zoo von Lehrern und ist gesegnet mit einem robusten Ego. Doch dann widerfahren ihm Dinge, die er nicht erklären kann.

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